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Das Trekking

3. / 4.Juli 2007

Trekking über den Aletschgletscher

vom Jungfraujoch über den Aletschgletscher zur Konkordiahütte und nach der Fiescheralp

Abenteuer, Lawinen, Gletscherspalten, Schnee im Sommer, plötzliche Wetterwechsel, Mütze, Handschuhe, Sonnenbrand, Kletterei, Bergschuhe, Steigeisen, Klettergurt...

Bernhards Geburtstagsgeschenk an Fränzi, ein Gletschertrekking. Monika und Aschi, Roger und ich (Ursula) dürfen mit!

Bern, Interlaken, Lauterbrunnen, Kleine Scheidegg, die Berg- und Gletscherwelt ist schon zum Greifen nahe. Roger, Aschi und Ursula knipsen um die Wette, die Sonne steht günstig. Wenn nur die Batterie hält, gäu Aschi.

Monika schaut dem Abenteuer mit gemischten Gefühlen entgegen, Fränzi kümmert sich um Sohn und Mutter.

Jungfraubahn.
Ein faszinierendes Stück Bergbahngeschichte wird uns auf dem Monitor im Waggon nähergebracht.

Bau der Jungfraubahn

Die Jungfrauregion ist fest in der Hand der Asiaten, vorab Japaner und Chinesen sitzen im Zug, einige in abenteuerlich hochhakigen Sandalen, andere perfekt gestylt in modernsten Gebirgsklamotten.

Natürlich steigen auch wir unterwegs aus dem Zug um durch die Fenster im Berg das Panorama zu fotografieren, steigen auf Geheiss des Schaffners wieder ein, den wir leider nicht verstehen, seine Worte klingen japanisch.

Top of Europe
Nun sind wir oben, auf der Aussichtsterrasse, der Lift hat uns im Berg 100 m hochgefahren. Die Pioniere hatten es da schwieriger:

Erstbesteigung der Jungfrau

Nebelschwaden hüllen uns ein, lassen uns hie und da einen Blick auf den Gletscher unter uns oder den Thunersee weit vorne werfen.

Einen Teller Spaghetti, eine Suppe, leichte Nervosität macht sich breit, die Toiletten werden ein letztes Mal besucht, Roders zurück-bleibende Familienmitglieder verabschiedet, nun geht’s los.

Ivan Volken, unser Bergführer begrüsst uns kurz, verteilt ohne viele Worte Steigeisen und Gstältli, letztere werden angezogen.

Zügig gehen wir durch den Tunnel, begleitet von bewundernden Blicken der Asiaten, whow, tut das gut.

Kaum draussen, weht uns ein rauer Wind entgegen, Schneeflocken, 30 cm Neuschnee.

Mutig stellen wir uns der Herausforderung, lassen uns in 4-Meter-Abständen ans Seil binden, schon stolpern wir durch den Schnee.

Das Tempo ist gegeben, das Seil darf weder ganz straff sein, noch den Boden berühren. Gar nicht so einfach am Anfang.

Das Gstältli rutscht, die Schuhbändel machen sich selbständig, gäu Bernhard, die Kapuze sitzt nicht richtig, der Reissverschluss klemmt, Fotostopps noch und noch. Ivan meint, so würden wir die Hütte nie erreichen...
Ansonsten führt er uns sicher durch den Abhang hinunter auf den Gletscher, er, der erfahrene Bergführer und nächste Woche Gigathlon-Teilnehmer. Sein Team Eggishorn wird Rang 154 (von 381) erreichen in seiner Kategorie.

Bergführer-Ausbildung

Nun seien wir auf dem Gletscher, meint er. Mhm, das habe ich mir aber ganz anders vorgestellt, keine Spalten, kein sichtbares Eis, nur matschiger Schnee. Das Vorankommen ist mühsam, bei jedem Schritt kippe ich entweder rechts oder links ab, wie betrunken.

Die Wanderschuhe geben zu wenig Halt. Mir dämmert der Sinn von Bergschuhen. Ivan macht uns auf verdeckte Gletscherspalten aufmerksam: Weisse Rinnen, nicht draufstehen!

Nun haben wir unseren Rhythmus gefunden, gehen ruhig und gleichmässig am Seil, hören das Knirschen des Schnees, das Geräusch der Wanderstöcke, ein paar Wortfetzen hie und da, wir sind eingetaucht in die Gletscherwelt, in eine andere Wirklichkeit sozusagen, lebensfeindlich, einsam, schroff, abweisend und faszinierend zugleich.

Konkordiaplatz: 900m Eis ist unter uns.

Bei den wenigen, fast erzwungenen Fotostopps ist Ivan immer auf Abstand bedacht, gerade heute könnte sich exakt unter dir eine Gletscherspalte auftun, so ist das!

Roger geht hinter mir, schliesst er näher zu mir auf, schliesse ich näher zu Monika auf, das gibt ihm etwas mehr Zeit, eine Foto zu machen ohne anhalten zu müssen.

Das Wetter ist launisch, ist die Kamera parat, ist die Sonne verschwunden und mit ihr die Konturen. Da, kurz ist sie aufgetaucht, 100 m über dem Gletscherrand hoch oben auf den Felsen, die Konkordiahütte. Vor 150 Jahren noch war sie quasi auf gleicher Höhe mit dem Gletscher.

Um uns das Letzte abzuverlangen, beginnt es nun zu regnen, fein und stetig. Macht nichts, wir sind gleich da, werden von der Leine gelassen und hüpfen munter die paar Stufen hoch zur Hütte..., ist zu vergleichen mit dem Gang aufs Berner Münster, easy, oder?!

Webcam Konkordiahütte

Der Hüttenwart hat alles, z.B ein Bier für Aschi (git mängisch Chopfweh, gäu?), einen Hüttenkaffee für Fränzi (das hesch du dir verdient), einen Tee für die ausser Atem geratene Ursula (o scho fitter gsi, gäu?)

Kurz ruhen wir uns etwas aus, passen die Steigeisen an, und schon ist Essenszeit. Einige Schuhe und Socken haben die Tour etwas durchnässt überstanden (gäu Monika), vor dem Ofen werden sie bis zum Morgen trocknen.

Pizzoccheri, der Hüttenwart hat sein Bestes gegeben, sogar frisches Brot steht auf dem Tisch. wir essen mit Appetit. Roders spendieren den Wein (herzlichen Dank!!), der löst die Zungen, wir lassen den Tag Revue passieren, es war toll, einmalig.

Pizzoccheri

Gegen 22 Uhr schläft alles in der Hütte. Am Morgen werden die Damen und Herren, die nachts austreten mussten, den weiten Weg „aussenherum“ zum WC bemängeln.

Bald ist Morgen, 20 cm Schnee liegt auf dem Geländer, auf der Terrasse auf den Tischen und Stühlen, die Sonne meldet sich zwischendurch zurück, Blick frei den Gletscher hoch und runter. 23 km ist er lang, der Gletscher, nicht der Blick!.

Aletschgletscher

7:30 Abmarsch, recht exponiert führt der „Weg“ hinunter auf den Gletscher, alles besser als die Treppenstufen... Das Wetter hält sich weiterhin, die Fotostopps sind häufiger, armer Ivan muss sich gedulden.

Auf dem Gletscher werden die Steigeisen an die Schuhe gebunden, whow, das gibt Halt auf dem blanken Eis. Nun sieht übrigens der Gletscher aus, wie wir uns das vorgestellt haben, mit Spalten, Seen, Vertiefungen, Gletschermühlen.

Wir gehen parallel zu einer der Mittelmoränen.

Das ist wie im Bilderbuch, das Eis knirscht unter den Eisen, die entstehenden Blasen an den Füssen ignorieren wir (geht Monika und Ursula an, Aschi wird Zehennägel verlieren, das jedoch ist ein anderes Thema), beim Mittagshalt können wir pflastern. Die Sonne scheint, die Damen dürfen vom Seil (wägem Bisle). Prächtige Gletschertische stehen da, verschneite Berge ringsherum, der überzuckerte Gletscher, was wollen wir noch mehr!! Wir geniessen die kurze Rast.

Weiter geht’s, der Gletscher wird immer zerklüfteter, wir müssen Spalten überspringen, einen Fluss ja, mitten im Gletscher ist ein Fluss, er wird weiter unten in den Untergrund verschwinden.

Den Stein, den Ivan in eine Gletschermühle wirft, fällt mehrere Sekunden, bis er unten aufschlägt, das sind Dimensionen.

Der Nebel steigt langsam hoch, wir gelangen zum Märjelensee, eine riesige Bedrohung früher für die Walliser.

Märjelensee

Ivan zeigt uns auch hier, wie hoch der Gletscher kam. Da dem nicht mehr so ist, steht uns noch ein kurzer steiler Aufstieg bevor bis zur Gletscherhütte. Da gönnen wir uns etwas Wein und zwei der Veteranen eine Zigarre (gäu Bernhard und Roger).

Nach einer Stunde Wanderzeit sind wir auf der Fiescheralp, bald in Brig, Bern. Nun geht alles ein bisschen (zu) schnell. Monika eilt mit Aschi unter die Dusche, anschliessend zu einer Lehrabschlussfeier, Roders zu den Kindern, Roger und ich lassen zu Hause den Tag bei einem Fondue ausklingen.

Merci Fränzi und Bernhard, Monika und Aschi, es war schön mit euch.

ursula und roger

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