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Restaurant Hinterer Weissenstein
Ursulas Blog

4.Mai 2008

Ins Nidleloch im Hinteren Weissenstein

Der Weissenstein, der Hausberg der Solothurner ist uns Bernern nicht unbekannt. Manchmal wollen auch wir höher hinaus als auf unseren Hausberg, den Gurten..

Beim Restaurant "Hinter Weissenstein" haben wir zudem schon öfter mal ziemlich verschmutzte Leute mit Helm und Grubenlampe gesichtet. Aha, keine Diamantenmine, kein Steinkohleabbau, ein weit verzweigtes Höhlensystem verbirgt sich unweit des Restaurants hinter einem meist verriegelten Gitter.

Bernhard Roder hat, wie er am letzten Tag des letzten Jahres angekündigt hat, eine Führung ins Nidleloch organisiert. Ryfs erscheinen pünktlich zum verabredeten Temin, obschon Yvonne es vorgezogen hat, zu Hause zu bleiben. Das schöne Wetter und der Liegestuhl im Garten haben gegen die Dunkelheit und Enge gewonnen. Roger und Ursula haben ihrem Wecker misstraut, sind am Vortag angereist und geben zu, gedopt zu sein. Sie sind nicht die Einzigen, Roders Fränzi hat geplaudert; keine Bettaktivitäten am Abend vor dem Ereignis, dafür 1 Flasche Wein leeren. Also sind auch sie gedopt, Thomas und Marcel natürlich nicht.

Jörg Wüthrich, der freundliche, herzliche Bergführer nimmt uns die letzten Ängste vor dem Nidleloch. Indermühles treffen ein, mit Austauschstudentin, letztere noch etwas unsicher, ob sie sich dem Abenteuer wirklich stellen will.

Jörg mit seiner ruhigen Art bringt uns bald dazu, die Helme aufzusetzen. Roders stellen die perfekte Löschtruppe (Feuerwehr-Gwändli), gut geschmiert mit motorex, Indermühles streifen weisse Handschuhe über, Ryfs unterstützen die Schweizer Armee mit den grünen Hemden, Roger und Ursula sind bewaffnet mit Kameras.

Nun wird das Tor aufgeschlossen, Bernhard erhält den Reserveschlüssel umgehängt, die Stirnlampen gehen an Jörg wirft seine Karbidlampe an, (das es das noch gibt!), das Abenteuer kann losgehen.

Der Einstieg ist steil, bald ist es stockfinster ausserhalb des Lichtkegels unserer Lampen. Etwas mulmig wird einem da schon, wir reden etwas lauter als sonst lachen etwas mehr als üblich und sind bald so beeindruckt, dass wir all unsere Ängste vergessen. Lily findet ihr bezauberndes Lächeln wieder, Platzangst hat niemand, mich dünkt, wir kommen erstaunlich rasch vorwärts. Jörg braucht für die gleiche Strecke nur 6mal weniger als wir...

Sehr speziell ist, dass der Einstieg zur Höhle oben ist, und der tiefste bis jetzt erforschte Punkt gut 400 Meter tiefer liegt. Die Temperatur beträgt in der Höhle etwa 5°C.

Der Dom, der Jungernschlupf, der Steinsee, die Todeshalle, das Labyrinth...

Tönt alles wenig ermutigend, aber nachdem wir alle erfolgreich den Jungfernschlupf durchkrochen haben, sind wir überzeugt, zu bestehen. Wir haben Glück, es ist nicht allzu nass und rutschig, weiter unten in der Höhle wird es sogar trocken.

Jörg lässt uns viel Freiheit, ist jedoch immer zur Stelle, wenn's schwierig wird, wenn die Beine zu kurz, der Abgrund zu tief, die Arme zu schwach sind. Er ist der perfekte Höhlenführer.

Franz Josef Hugi hat als Erster die Höhle erforscht, beschrieben und kartografiert. Er beschrieb viele Stellen als schauerlich und gefahrvoll, heute werden sie von 5000 Touristen jährlich begangen, geführt und beschützt vom Höhlenkenner.

Max hat die Position des "Letzten" übernommen. Kurz etwas hinter den Anderen zurückgeblieben hat er sich plötzlich in vollständiger Stille befunden, allein, er konnte sich gut in die Ängste eines Pioniers hineinversetzen...

Nach Hugi wagten sich viele weitere Pioniere in das Nidleloch, erst kurz vor dem 1. Weltkrieg wurde es vermessen, 2.1 km waren erforscht. Erst 1975 wurde wieder systematisch geforscht, heute sind etwa 7.5 km gangbar. Das Alter wird auf etwa 1 Million Jahre geschätzt.

Die Zeit vergeht im Flug, das Ganze ist so spannend.

Kleine Extrakriechereien bietet Jörg den Nimmersatten an, Fränzi will es besonders gut machen, bleibt jedoch stecken, Roger rettet.

Ganz toll der schmale Gang, zuerst robbend geradeaus, dann rechtwinklig nach links, mit dem richtigen Hüftknick klappts.

Nicht ganz alle brauchen diesen ultimativen Kick; Sie sind froh, als wir endlich kommen, beim Warten, müde und hungrig, fröstelt einem unangenehm.

Wir machen uns auf den Rückweg, ich hätte mich x-Mal verlaufen, wäre da nicht die kundige Führung, Jörg bringt uns sicher wieder hinaus in den knapp 20° warmen Nachmittag.

Das Restaurant Hinter Weissenstein kocht Röschti, es reicht für Alle!

Bernhard Roder und Jörg Wüthrich danke für die Organisation und Betreuung, allen Teilnehmenden danke fürs Mitmachen.

Ursula Ackermann (Text), Roger Spindler (Foto-und Webdesign)

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