Sinai 14. – 21.2.2004
Kamelreiten und Schnorcheln







































Als Alternative zur Sportwoche im Schnee haben wir uns kurzfristig für 1 Woche Ferien im Südsinai entschieden, der neuen Destination im Angebot von indigo-Reisen.

Der Flug von Zürich nach Sharm el Sheikh dauert rund 4 Stunden. Während der Landung realisieren wir, dass direkt hinter den letzten Häusern der Touristendestination die Wüste beginnt.

Die Einreise gestaltet sich problemlos, schon sind wir im Kleinbus unterwegs nach Dahab.

Die gut ausgebaute Teerstrasse führt zuerst schnurgerade nordwärts, beidseits der Strasse liegt während der ersten 10 Kilometern Unrat, der böige Wind wirbelt leere Plastiksäcke hoch in die Luft, beim Herunterfallen verfangen sie sich in den Dornen der vereinzelten kleinen Akazien oder den Masten der Starkstromleitung, die uns begleitet.

Rechts und links erheben sich schroffe, zerklüftete Granit-Hügel, Wadis führen weg von der Strasse. Kleine Dörfer, Kamele, Ziegenherden, alles zieht rasch an uns vorüber und wir können langsam eintauchen in die arabische Welt.

Nach 1 Stunde Fahrt liegen vor uns Dahab, das Meer, rechts die Lagune. Andrea, die Managerin des „Crazy Camel Camp“, begrüsst uns herzlich, mit Tee, stark gesüsstem Schwarztee mit Pfefferminz. Tee wird hier überall als Zeichen der Gastfreundschaft ausgeschenkt.

Vor 20 Jahren bestand Dahab aus einem Palmenstrand mit ein paar Strohhütten und war Treffpunkt der Aussteiger der 80er Jahre, nun hat es sich zu einem Dorf entwickelt.

Am Abend draussen sind wir froh um unsere Wollpullover. Verwöhnt werden wir zum Znacht mit Fisch, der zusammen mit Gemüse und Kartoffeln in Alufolie auf dem Feuer gegart worden ist.

Ausgeschlafen und mit einem guten Zmorge gestärkt, fahren wir in etwa 20 Minuten zum Ausgangspunkt unseres Kamel-Trekkings. 5 Kamele (Dromedare) warten dort auf uns zusammen mit Hammed und Mohammed, unseren Beduinen-Führern für die nächsten 5 Tage.

Schnell und ruhig werden die Tiere breit beladen, zuoberst eine Decke, darauf dürfen wir nun sitzen. Es ist bequem! Vom Sattel, der auf dem Höcker befestigt ist, sehen wir nur hinten und vorne einen Knauf, letzterer ist praktisch, sich daran zu halten, wenn das Kamel sich erhebt.

Bald sitzen wir 2 Meter hoch, die Beine gegrätscht, ähnlich wie auf einem Pferd, nur dass die Füsse baumeln. Die Beduinen winkeln ein Bein an und legen es vor dem Sattel auf den Kamelnacken.

Teilweise werden die Tiere von den Beduinen an der Leine geführt.

Nach 1 1/2 Stunden sind wir doch froh, abzusteigen, etwas sperrig sind wir halt schon noch, aber bereits nach 2 Tagen reiten hat sich das verloren.

Die Gegend kommt uns schon nicht mehr so trocken vor, unsere Augen haben begonnen, genau zu schauen: hier eine Staude, hier ein Grasbüschel, eine Akazie. Einen Klippschleifer machen wir aus, einen toten Steinbock.

Mittagsrast. Die Beduinen entladen zuerst die Kamele, entfachen mit dem spärlichen Holz ein Feuer und bald darauf schlürfen wir einen Tee. Unsere Begleiter servieren uns alsbald das Mittagessen.

Gefällestufen im Wadi überwinden wir zu Fuss, die Kamele führen wir an der Leine. Haben wir wieder Lust zu reiten, steigen wir wieder auf.

Jeweils noch tags erreichen wir unseren Lagerplatz. Nachdem die Kamele von ihren Lasten befreit sind, erhalten sie einen Futtersack umgestülpt.... Aus den Sätteln, Wasserkanistern und Decken zaubern die Beduinen im Nu einen Sitzplatz mit Rückenlehne für uns.

Schon sehen wir den Abendstern, bald ist es finster, da Neumond ist, überwältigt uns die Sternenpracht. Es hat genug Sternschuppen, denen wir unsere Wünsche mitgeben können.

Die Führer sprechen englisch, wenn wir wollen, können wir uns Irdisches auch von ihnen wünschen...

Sie zeigen uns, wie sie das Fladenbrot herstellen. Fasziniert sehen wir zu! Am Abend und am Morgen wird es jeweils frisch zubereitet.

Anschliessend wird gekocht, wir schauen gerne zu und gegen 20 Uhr geniessen wir das Abendessen. Relativ früh verziehen wir uns jeweils in unsere Schlafsäcke, Schlafen und Träumen unter freiem Himmel in einer uns ungewohnten Stille, umfangen vom Firmament lässt uns Ruhe und Entspannung finden.

Das Frühstück steht um 7:30 bereit: frisch gebackenes Fladenbrot, Feta, Honig, Schachtelkäse, Kaffee oder Tee. Wir leben sehr gut, werden verwöhnt. Gegen 10 Uhr reiten wir los. Alle Taschen, Decken, Säcke konnten erstaunlicherweise auf den Kamelen verstaut werden.
Nach jeder Biegung sieht die Landschaft wieder anders aus, mal stehen Palmen am Rand, die Farbe der Felsbrocken und Kiesel im Flussbett variiert, Schwemmgut lässt die Höhe des letzten Hochwassers erahnen.

Schön ist es immer, in der Wüste zu einem Brunnen zu gelangen. Wasservorräte können erneuert, Tiere getränkt werden, oftmals trifft man auf andere Reisende, Neuigkeiten können ausgetauscht werden.

Ein Höhepunkt des Trekkings sind unbestritten die White Mountains, eine weite Hochebene mit bizarren Sandsteinformationen. Die Witterung hat mit der Zeit im weichen Gestein der Felsen spannende Erosionsformen entstehen lassen wie Säulengänge, kleine Nischen, Höhlen, Bögen. In der Ebene wurde das Gestein von Wind und Wetter teilweise bis auf einige Zentimeter abgeschliffen, wie erstarrte Wellen liegt der Sandstein vor uns, zerfällt beim Darrübergehen zu Sand.

Wir erreichen unser Camp wie immer frühzeitig, und nachdem wir beim Entladen der Kamele geholfen haben, können wir das spätnachmittägliche Licht zum Fotografieren nutzen, oder uns mit der näheren und weiteren Umgebung vertraut machen.

Natürlich begegnen wir anderen Touristen, ab und zu einem Geländefahrzeug.
Dazwischen lassen wir uns gemächlich schaukeln, lassen den Blick und die Gedanken schweifen, wohin sie wollen.
Keine Hektik, keine Termine!! Rasch haben wir uns an den neuen Rhythmus gewohnt; wir nehmen uns nach 5 Tagen mit unseren herzlichen Beduinen beim Abschied vor, etwas von der Gemächlichkeit, der Ruhe hinüberzuretten in unseren Alltag zu Hause.

Noch bleibt ein Tag zum Schnorcheln. Da wir Greenhorns sind, nimmt sich Andrea uns an, ist behilflich bei der Ausrüstung (Schnorchel, Taucherbrille, Neoprenanzug). Das Korallenriff liegt direkt vor der Küste: ein paar Schritte ins Wasser, untertauchen und staunen. So einfach hätten wir uns das nicht vorgestellt! Die Riffbewohner, in den verschiedensten Farben und Formen, schwimmen an uns vorbei, atemberaubend schön.

Eine Woche Ferien in der Vorsaison reicht gerade, erholt, glücklich und voller Eindrücke heimzukommen.


Ursula Ackermann